|
||||||
|
|
HOME | Hören | CD-Player | CD-Player "SIMPLICITE" Testbrericht | |||||
|
O.k., so ganz stimmt das Gesagte nicht - Autos waren natürlich immer schon wichtig ... Teures HiFi war leicht zu erkennen: Galten doch Holzwangen an HiFi-Geräten bis hinein in die 90er Jahre als durchweg chic, wenn mich mein Erinnerungsvermögen nicht gänzlich trügt. Sehr gut erinnern kann ich mich jedenfalls an den Umstand, dass diesem Chic der Einzug in mein Wohnzimmer verwehrt blieb - dafür haperte es zu der Zeit einfach an dem einen oder anderen Rappen in meiner Börse ... "Was nicht war, kann ja noch werden", denke ich mir da - obwohl, so ganz stimmt`s schon wieder nicht: Der Fonel Simplicitè (wir testen die reine Transistor-Variante) verfügt strenggenommen eher über ein "Holzgesicht", denn über Holzwangen. Hochwertig sieht er aber allemal aus:
... heißt der zuständige Erfüller individueller Holz- bzw. Designwünsche, was den Fonel Simplicitè - sowie natürlich alle anderen Geräte, die von dieser Manufaktur feil geboten werden - betrifft. Die Gesellschaft wurde 2003 in Berlin gegründet und hat neben Fonel mit Areon noch eine weitere Marke unterm Dach, die sich zudem einer bereits größeren Verbreitung erfreut und - jetzt bitte jetzt nicht gleich die Nase rümpfen - die anspruchsvolle Car-HiFi-Klientel bedient. Hergestellt wird am Stammsitz in Berlin - die Entwicklung der Elektronik erfolgt (irgendwie höre ich das doch meist anders herum) teilweise außer Landes - nämlich in der Ukraine: Dort hat man Zugriff auf ein dreißigköpfiges Entwicklerteam, das sowohl für Fonel als auch für Areon verantwortlich zeichnet.
Ein besonderer Stellenwert wird auch dem verwendeten Laufwerk beigemessen: Von Teac stammt es, ist von Haus aus für DVDs tauglich und wird von Fonel zudem einer mechanischen Modifikation unterzogen: Man verspricht sich hiervon eine ausnehmend hohe Fehlerfreiheit bei der Auslesung der Daten bzw. eine hochpräzise Fokussierung der Lasers. Last but not least: Der Fonel Simplicitè verfügt nicht nur über ein äußerst solide wirkendes RCA-Anschlussfeld samt Digitalausgang, sondern ist auch für XLR-Stecker bzw. symmetrische Anschlüsse zugänglich. Nun ist symmetrisch nicht gleich symmetrisch - übrigens auch ein wichtiger Aspekt, wenn diskutiert wird, welche Anschlussvariante die Überlegenere ist. Es kommt eben immer drauf an, wie`s umgesetzt wird. Pauschalaussagen sind da in praxi wenig zielführend - selbst dann, wenn die symmetrische Verbindung potenziell freilich als die technisch überlegenere Variante einzustufen ist. Der Fonel ist vielmehr voll- bzw. durchgehend-symmetrisch aufgebaut: Die Symmetrie bzw. das invertierte Signal wird bereits vor der Digital-Analog-Wandlung generiert. Damit vermeidet man nicht nur, das "fertige" analoge Musiksignal durch eine unnötige Störquelle (in Gestalt eines Phase-Splitters in der analogen Ausgangsstufe) zu jagen, sondern wird gleichzeitig in die Lage versetzt, aus der Digital-Analog-Wandlung stammende, störende Artefakte von vornherein zu eliminieren und des weiteren eine zusätzliche Verbesserung in puncto Rauschabstand zu erzielen.
Zum Klang ...
Ich möchte jetzt nicht tiefenphilosophisch werden (Ihre Meinung wäre aber in jedem Fall interessant: Leserbrief an fairaudio) Mir persönlich fehlt es bei vielen CD-Playern an so etwas wie "Gelassenheit": Die Fähigkeit, einerseits feine Details involvierend zu offenbaren und dabei andererseits völlig stressfrei den Überblick für das Ganze zu behalten,fonel simplicite cd-player hifi d.h. ermüdungsfrei und langzeittauglich zu klingen. Anders ausgedrückt: Es geht eben nicht nur darum, dass eine HiFi-Komponente in der Lage ist, jedes einzelne auf dem Tonträger befindliche Klangereignis zu entblößen bzw. bei jedem Fitzelchen hektisch mitzuteilen "da ist was", sondern ebenso darum, sich die Zeit zu nehmen, den jeweiligen Ton bzw. das "was" dann auch sauber mit allen Facetten (inklusive des "Kitts" zwischen den Tönen) aufzubereiten. Schafft es eine Komponente zwar, kleinste Kleinigkeiten der Musik hörbar zu machen (was eigentlich nur gut ist), raubt diesen aber dabei gleichzeitig deren ureigene (teilweise nur unterschwellig wahrnehmbare) Subtilität, deren "Drumherum" und damit deren Substanz - dann bezeichnet man eine solche Komponente häufig als analytisch. Mitunter mangelt es derartigen Komponenten vordergründig erst mal an gar nichts - es mag sogar recht ansprechend transparent klingen: Wenn man sich dann - z.B. im Rahmen eines Händlerbesuchs - beim Probehören ganz besonders viel Mühe geben will und anfängt, mit "dem Kopf" zu hören, dann geben sich solche Geräte teilweise sogar sehr unterhaltsam. Der Mangel an Subtilität ist nämlich meistens genau dann nicht wahrnehmbar, wenn bewusst besonders gründlich gehört werden soll - zu Hause beim entspannten, lockeren Musikhören sieht das dann auf einmal ganz anders aus (dieser Umstand ist übrigens auch für die fairaudio-Testarbeit sehr wichtig): Es hapert an Substanz, am Feinstofflichen, an Fluss - an Musikalität. Man empfindet die Musik gar als synthetisch, anstrengend oder dünn - es fehlt an verbindendem Füllstoff zwischen den Tönen sowie an "Masse" im Klangbild. Weitere typische "Stressfaktoren" digitaler Musikwiedergabe sind nach meinen Erfahrungen häufig ein in puncto Bühnendarstellung wahrgenommener Mangel an Raum bzw. Luft zwischen den einzelnen Instrumenten und das Empfinden, dass deren individuelle, charakteristische Klangfarben unnatürlich bzw. kontrastarm dargestellt werden. Interessantes zu diesen Überlegungen findet sich im Übrigen auch im Complete-Guide of High-End Audio von Robert Harley: http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&search-type=ss&index=books- (Natürlich ist dieses Phänomen auch von "harter", technischer Seite her zu beleuchten. Gerade Musikern wird beispielsweise der Begriff Hüllkurve geläufig sein. Auch wenn es noch weitere Aspekte gibt - die Nachbildung der Hüllkurve ist für die Authentizität des Klanges wesentlich - siehe z.B. http://en.wikipedia.org/wiki/ADSR_envelope. Neben der Attackphase (der Anstiegsphase eines Tones), die entscheidend für eine zackige, analytische Gangart ist, werden Töne auch durch andere Phasen definiert, z.B. dem Sustain - wir haben das schon häufiger in unseren Berichten erwähnt).
Nach diesem kleinen Exkurs mal wieder zurück zum Fonel Simplicitè: Das beschriebene Dilemma - nämlich hohe Auflösung, authentische Klangfarben und musikalischen Fluss unter einen Hut zu bringen - löst dieses Gerät mit so ziemlicher Bravour: Daedelus heißt mit bürgerlichem Namen Alfred Weisberg Roberts, stammt aus LA und liefert auf dem Album Denies The Day's Demise einen "ungewohnt vielfältigen Karneval an Klängen" ab, wie es in einer Musikrezension mal hieß. Die Opulenz des auf dieser CD Gebotenen kann leicht einen unangenehmen Beigeschmack annehmen, vor allem dann, wenn die komplexen, mal an Bossa-Nova-Rhythmen, mal an Jazz-Arrangements erinnernden Percussion-Gebilde auf den Plan kommen: Ohne temporeiche, feinauflösende Komponenten am Start zu haben, tönt`s nämlich recht schnell undefiniert-breiig. Wird Denies The Day´s Demise dagegen zu analytisch, zu körperlos verabreicht, kann aus dem Musikhören leicht ein hektisch und artifiziell-spitz klingender Parforceritt für die Ohren werden. Ganz ehrlich: Ich hatte diese Platte in der Tat zunächst als ein wenig ungenießbar eingestuft - insbesondere dann, wenn`s über meine Thiel CS 2.4 ging. Das änderte sich mit dem Fonel Simplicitè: Zackig und in ausgesprochen präziser Manier flirren einem über den gesamten Frequenzbereich verteilte Sounds und Perkussionsschläge um die Ohren. Unwohlige Hektik kommt beim Hören mit dem Fonel dennoch nicht auf - weil`s auf der anderen Seite nämlich ausgesprochen farbig klingt und trotz aller eckiger Vertracktheit, die in den Stücken schlummert, angenehm fließt. Den Sinn für authentische Klangfarben unter Beibehaltung der gebotenen Präzision und Neutralität beweist der Fonel aber auch bei ganz anderer "extremer" Musik: Auf Solo von Stig Nilsson gibt es "Geige pur" (höchst abwechslungsreich, emotional und virtuos - ein echter Tipp) aufs Trommelfell. Auch hier ist für HiFi-Komponenten eine wahre Gratwanderung zu durchlaufen: Ja, mitunter muss es druckvoll klingen. Und an manchen Stellen - wenn der Bogen die Saiten entsprechend "rannimmt" - ebenso aggressiv bis fast schrill. Zudem soll den zackig-schnellen Bewegungen des Geigers akustisch jederzeit mühelos gefolgt werden. Dabei lauert in einer solchen Art von Musik stets die Gefahr, dass einem der Gehörgang zerschnitten wird: Geigen können - infolge schlechter Aufnahmen genauso wie infolge schlechten HiFis - richtiggehend zu Waffen werden, wie ich finde ... Nicht aber über den Fonel Simplicitè: Er offenbart feinste Schwingungen, geht ins Detail, liefert das richtige Maß an dynamischer Aggressivität, welche Geigen kennzeichnen kann - und dennoch tendiert der Stressfaktor gegen "Null". Nun, der Fonel vermittelt - trotz seiner ausgesprochen vitalen Gangart - stets ausreichend Wärme und höchst angenehme, authentische Klangfarben. Beeindruckend - ich wusste bis dato jedenfalls nicht, dass man solche Musik so ausgiebig hören kann ... Der nächste Extrem-Check: Wie sieht`s räumlich aus bzw. was passiert, wenn es musikalisch etwas "dreckiger" und basslastiger und dennoch recht komplex zugeht? Glauben Sie mir - avancierte Jazzarrangements und teilweise in Heavy-Metal-Manier aufblitzende Gitarren-Riffs bzw. Bassläufe zu einer angenehm durchhörbaren Melange aufzubereiten, ist keine leichte Aufgabe fürs HiFi: Die Frickeligkeit bereitet dem Fonel keine Schwierigkeiten - das war nach den bisherigen Erfahrungen auch nicht anders zu erwarten. Und deftig-dreckiges (keine Angst: das Metalmäßige auf Art Metal blitzt nur punktuell auf) stellt ihn ebenfalls vor keine Probleme: Ja, "rocken" kann der Simplicitè (da hatte ich zur Sicherheit aber noch ganz andere Scheiben eingelegt) und langt dabei unten rum in ausgesprochen authentischer Weise zu: Mit einer wohlbalancierten Dosis an Schwärze und Punch im Bass zeigt er sich im Hinblick auf die unteren Frequenzgefilden jedenfalls bar jeder Kritik. Auch räumlich und auf die Darstellung der korrekten klanglichen Textur einzelner Instrumente bezogen gilt dies - hier verbirgt sich ein weiteres, häufig festzustellendes Manko digitaler Quellen, die mitunter einen gewissen Hang zur Gleichmacherei aufweisen: Ist denn Fonels Transistorplayer nun gar nicht am Zeug zu flicken?
Lediglich - und hier kommen wir zur Pflicht - die nicht gerade extrem fein gerasterten Schrittgrößen bei der Einstellung des gewünschten Pegels mögen insbesondere passionierte Leisehörer als nachteilig empfinden. Auch wenn`s mich persönlich zu keiner Zeit gestört hat, sei zudem der Vollständigkeit halber erwähnt, dass ab und an einmal ein leicht erhöhtes Grundrauschen bemerkbar war, wenn der Player - ohne sich gerade im Spielbetrieb zu befinden - bei eingeschalteter Endstufe auf die nächste CD wartete. Fazit
Ob Sie nun Fan von oftmals eher der digitalen Welt zugeschriebenen Werten wie Präzision, Feinauflösung und "Schnelligkeit" sind, oder Ihnen zuerst Fluss, ein authentisches Maß an Wärme und die vielgerühmte Musikalität als wichtigste Kriterien in den Sinn kommen (wie das wohl insbesondere bei vielen Analogliebhabern der Fall sein wird): Der Fonel Simplicité ist unbedingt eine intensive Probehörsitzung wert. Achten Sie bei dieser auf die richtige Netzsteckerpolung - ansonsten büßt es nämlich ein wenig an "analogem Charme" ein. Der Fonel Simplicitè charakterisiert sich durch ... * seine Ausgewogenheit: Er geht über den gesamten Frequenzbereich hinweg ebenso zackig, rhythmisch und feinauflösend zu Werke, wie es gleichzeitig stets musikalisch, fließend und absolut langzeittauglich klingt.
* Preis: 2.850 € EUR © mit freundlicher Genehmigung von fairaudio.de |
||||||