Geithain RL 901K

Geithain ME RL 901 | Ein Fall für audiophile Erbsenzähler?

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Einen kleinen Nachtrag bin ich Ihnen zum letzten Heft noch schuldig: Als mich vor zwei Monaten das Burmester-Laufwerk und der Cello-Wandler bezauberten, standen Geithains Regielautsprecher in meinem Hörraum. Und auch beim Vergleich des Oracle-Laufwerks mit meinen Konstant und dem Immedia halfen die aktiven Monitore, feinste Klangunterschiede aufzuspüren. Üblicherweise verlasse ich mich beim Hören neuer Komponenten lieber auf meine eigenen Lautsprecher, denn deren Licht- und Schattenseiten kenne ich seit Jahren. Nur Audio Physics Caldera, Trenner & Friedls Gordon und eben Geithains 901 spielten in meiner Kette auf Anhieb so stimmig, daß ich keinerlei Bedenken hatte, sie auch zur Beurteilung unbekannter Elektronik heranzuziehen.

Daß die RL 901 schon so lange in Gröbenzell steht, liegt übrigens weder an einer Überproduktion für image hifi 5/97 noch an der Überlastung des Redakteurs. Das Erscheinen des Tests war exakt für dieses Heft geplant. Es paßte einfach besser in Joachim Kieslers Terminplan, die Boxen schon im Juni nach Gröbenzell zu bringen. Der Chef von Musikelektronik Geithain wollte seine Lautsprecher natürlich persönlich in meinem Hörraum aufstellen und einmessen. Und schon nach ein paar Frequenzganganalysen und nur kurzem Hin- und Hergerücke hatten die RL 901 ihren Platz gefunden. Dort musizierten sie dann so überzeugend, daß ihnen ein längerer Aufenthalt im Redaktionslager erspart blieb. Doch dieser fast perfekten Harmonie von Elektronik, Raum und Lautsprecher ging eine längere Annäherungsphase voraus, trafen bei diesem Test doch zwei ganz unterschiedliche Welten aufeinander. Was aber nicht im mindesten damit zu tun hat, daß Musikelektronik Geithain seinen Sitz in Deutschland Ost hat, mein Hörraum jedoch ein ganzes Stück westlicher – und südlicher – liegt.

Joachim Kiesler ist im Profibereich zuhause und steht einigen Entwicklungen – und Auswüchsen der HiFi-Szene mit einer gehörigen Portion Skepsis gegenüber. Ich hingegen muß zugeben, daß meine bisherigen Erfahrungen mit Monitoren englischer Provenienz zu dem ein oder anderen Vorurteil geführt haben: Tonale Ausgewogenheit, eine immense Detailfülle und eine hervorragende Durchzeichnung bieten die meisten Abhörlautsprecher, doch wenn es um Rhythmus und den Spaß an der Musik geht, müssen fast alle passen. Monitore werden ja auch für langes ermüdungsfreies Arbeiten im Studio entwickelt – und nicht zum anregenden Musikgenuß. Nein, sie sind wohl eher ein Fall für audiophile Erbsenzähler – dachte ich zumindest bis zu meinen Erfahrungen mit den RL 901.

Dem beständigen guten Zureden von Claus Bücher, der den Vertrieb der Aktivlautsprecher im qualifizierten HiFi-Fachhandel übernommen hat, ist es zu verdanken, daß sich Joachim Kiesler in diesem Jahr zum ersten Mal in die Höhle des Löwen wagte. Fr stellte nahezu sein gesamtes Lautsprecherprogramm auf der High End in Frankfurt vor. Als Programmquelle diente eine Platine Verdier mit SMF 3012 und SPU, die Vorverstärkung besorgte ein Shindo-Verstärker, und von diesem gelangte das Signal zu einer Umschalteinheit. Mit Hilfe dieses Teufelszeugs konnte der Lautsprecherprofi dann demonstrieren, daß – abgesehen von der unteren Grenzfrequenz – bei moderaten Pegeln bei all seinen Monitoren die tonale Balance dieselbe ist. Vom Hochtonbereich bis zu den mittleren Bässen spielten Winzlinge mit einem Bruttovolumen von nur neun Litern und die 13mal größeren 901 nahezu identisch. Und das beeindruckte nicht nur mich ganz nachhaltig, sondern, wie mir Joachim Kiesler erzählte, auch viele andere Messebesucher. Insgesamt hätten ihn die HiFi-Fans positiv überrascht. Unter den mitgebrachten Test-Scheiben sei nicht eine einzige Purist-Audio-Enhancement-CD gewesen. Er habe vielmehr eine ganze Reihe ernsthafter Musikliebhaber kennengelernt.

Und damit war für Claus Bücher schon einmal eine erste Hürde auf dem Weg zu einem Test der Geithains genommen. Doch bevor sich Joachim Kiesler endgültig dazu durchringen konnte, seine bei den Profis in den Tonstudios allerbestens beleumundeten Lautsprecher – die RL 900 gingen aus einem großen Lautsprechertest von ARD, ZDF und dem Institut für Radiotechnik klar als Sieger hervor – der HiFi-Presse zum Fraß vorzuwerfen, war eine weitere vertrauensbildende Maßnahme nötig: Ich sollte vor Ort in Geithain die Produktion und ein wenig Firmengeschichte kennenlernen. Und die reicht bis ins Jahr 1960 zurück, in dem Joachim Kiesler begann, elektronische Orgeln zu konzipieren und zu fertigen. Der nächste Schritt war die Fntwicklung geeigneter Verstärker und Boxen zur Wiedergabe der Orgelklänge. Daraus erwuchs dann die Herstellung von Lautsprechersystemen für Beschallungszwecke. 5o sorgen beispielsweise auch in Leipzigs Gewandhaus Produkte aus dem nahen Geithain für besten Klang.

Vor zwölf Jahren präsentierte Joachim Kiesler dann seinen ersten „Regielautsprecher“, den RL 900. Dieser hielt nach dem bereits erwähnten Test Einzug in die Rundfunkhäuser; in 80 Prozent der in der ARD zusammengeschlossenen Sendeanstalten stehen heute Monitore aus Geithain. Dem 900 folgten der deutlich kompaktere 900 A, ein Baßreflexsystem, und der geschlossene 901, der noch einmal etwas kleiner ausfiel und dessen Frequenzgang dennoch zehn Hertz tiefer hinabreicht – womit klar sein dürfte, warum ich gerade diesen Lautsprecher zum Test orderte. Das aktuelle Programm umfaßt noch vier weitere Typen. Das Einsteigermodell, die RL 906 zum Paarpreis von 2660 Mark, streicht zwar unterhalb von 55 Hertz die Segel, braucht sich aber hinter ihren Geschwistern nicht zu verstecken, wenn es um Abbildungsgenauigkeit und Homogenität geht. In nur anderthalb Jahren konnten Joachim Kiesler und sein Team mehr als 1000 Stück dieser Minimonitore an den Mann oder die Frau hinter dem Mischpult bringen. Und für das Modell 904 erhielten die Geithainer Boxenbauer 1992 gar den Innovationspreis des sächsischen Wirtschaftsministeriums. Bei soviel Erfolg im Profilager stört es Kiesler und Co. kein bißchen, daß ihre Boxen in der HiFi-Szene bisher über den Geheimtipstatus noch nicht hinausgekommen sind. Aber das kann sich ja ändern. Joachim Kieslers Firmensitz liegt nahe am Markt des idyllischen Örtchens Geithain. Das altehrwürdige Gemäuer hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich, diente es doch in früheren Zeiten als Kloster und Kneipe. Von den Kellergwölben aus soll es gar Geheimgänge zur Kirche gegeben haben. Heute investiert Musikelektronik Geithain eine Menge Zeit und Geld, um das Gebäude einerseits den Erfordernissen der Produktion entsprechend umzugestalten und andererseits den Charakter des recht weitläufigen Komplexes zu erhalten. Und bisher ist dies auch überzeugend gelungen: Niemand, der auf der Straßenseite oder im Innenhof steht, würde in diesem Gebäude einen Referenzhörraum für Mehrkanalwiedergabe nach den neuesten EBU- und DIN-Richtlinien vermuten. Ubrigens gibt es von diesen Abhörräumen mit einer über den gesamten Frequenzbereich definierten Nachhallzeit bisher in deutschen Landen nur noch zwei weitere.

Aber damit nicht genug: Musikelektronik Geithain nennt auch einen reflexionsarmen – oder umgangssprachlich: schalltoten – Raum sein eigen. Dieser hat ein Bruttovolumen von 250 Kubikmetern und ermöglicht Messungen bis hinunter zu 63 Hertz. Erst unterhalb dieser Frequenz müssen Filter eingesetzt werden, um aussagekräftige Ergebnisse zu bekommen. Ich kenne keinen einzigen HighFnd-Boxenhersteller, der über derartige Meßmöglichkeiten verfügt. So etwas findet man sonst nur bei Lautsprechermultis wie Visaton oder KEF, aber eben nicht in einer Firma mit gerade einmal 13 Angestellten.

Mindestens ebenso beeindruckend wie die räumliche Ausstattung ist bei Musikelektronik Geithain die Fertigungstiefe. Alle verwendeten Lautsprecherchassis stammen aus eigener Produktion, wie Joachim Kiesler bei einem Rundgang durch die Fabrik stolz erklärt. Zwar beziehe man einige Halbfertigprodukte von renommierten Zulieferern, doch alle wichtigen Bauteile wie beispielsweise die Schwingspulen stelle man vor Ort her. Zur Fertigung der Sicke für den mächtigen 40-Zentimeter-Baß habe man sogar eigene Werkzeuge gebaut – kein großes Problem, wenn eine komplett ausgestattete Werkstatt für Metallbearbeitung nebst qualifiziertem Mitarbeiter zum Betrieb gehört. Natürlich gehen die Sachsen auch bei den Magneten auf Nummer Sicher: An den Korb ihrer Chassis kommt nur, was auch in Geithain magnetisiert und anschließend geprüft wurde.

Die Trafos für die Endstufen bezieht man aus Fernost, denn nur dort war ein Hersteller zu finden, der sich trotz der relativ kleinen Stückzahlen bereit erklärte, die genauen Vorgaben von Joachim Kiesler zu erfüllen. Die Ringkern trafos mit bifilaren Wicklungen unterdrücken hochfrequente Netzverunreinigungen, externe Maßnahmen zur Netzfilterun~ seien daher nicht mehr notwendig, erklärt der MEChef. Die spezielle Wicklungsart soll auch das in der HiFi-Szene so beliebte Drehen der Netzstecker überflüssig machen. Das sei nur deshalb nötig, weil in den meisten Komponenten Trafos minderer Qualität verwendet würden, stichelt Joachim Kiesler. Aber bei den Käufern und Entwicklern von High-End-Boxen hätten sich ja wohl auch die prinzipbedingten Vorteile von Aktivlautsprechern noch immer nicht herumgesprochen, legt er nach. Einer kleinen Provokation am Rande ist er eben nie abgeneigt. Ich überlege jedenfalls schon, ob ich vor seinem Besuch nicht besser den Bedini, den Exorzisten und den ein oder andern Tonabnehmer-Entmagnetisierer aus dem Regal in meinem Hörraum verbanne

Aber erst einmal geht es in den neuen Referenzhörraum, der größtenteils mit Materialien, die in jedem besseren Baumarkt erhältlich sind, und jeder Menge Know-how in Form gebracht wurde. Hier demonstriert Joachim Kiesler mit einem MLLSA-System sehr eindrucksvoll den Einfluß einzelner Möhelstücke auf den Frequenz-gang am Hörplatz: Selbst ein einziger Stuhl zwischen der Box und dem Zuhörer kann immense Auswirkungen haben. Dabei steht der Stuhl natürlich nicht dem Direkt-schall im Weg, er verändert lediglich die Reflexion tieferer Frequenzen am Fußboden. Als Joachim Kiesler gegen teure Anlagen in völlig unzulänglichen Räumen polemisiert, kann und will ich ihm keinesfalls widersprechen. Eigentlich sollte man ja einmal in image hifi einige Tricks und Kniffs zur Verbesserung der Akustik vorstellen. Apropos „teure Anlagen und unzulängliche Räume“: DIN-genormte Referenzhörräume mit unzulänglicher Elektronik machen auch nicht mehr Spaß. Der CD-Player und vor allem der hier verwendete Vorverstärker lassen die Qualitäten von Raum und Lautsprechern bestenfalls erahnen. Claus Bücher hat glücklicherweise eine richtige High-EndVorstufe im Reisegepäck, und selbst kalt und ohne jedes bißchen Enhancement macht sie deutlich, was die Regielautsprecher in diesem fantastischen Raum wirklich zu leisten vermögen. Wenn da jetzt noch ein Wadia oder Celb wandeln würde oder sich gar eine Platte drehte, wäre der Genuß gewiß perfekt. Vielleicht erweist sich ja der Dialog zwischen Profi- und HiFi-Szene für beide Seiten als fruchtbar, und Joachim Kiesler lernt die Vorzüge hochkarätiger Komponenten schätzen.

Bei seinem anschließenden Besuch in Gröbenzell bleibt aber leider zu wenig Zeit zur Beschäftigung mit edlen CD-Kombis und Plattenspielern. Joachim Kiesler ist voll auf das Display seines mobilen Meßsystems konzentriert oder verändert die Positionen von Lautsprechern und Meßmikrofon. Da fehlt sogar die Muße zu bissigen Bemerkungen über Clarifier und Co., denn schon drängt der nächste Termin bei Pro 7. Doch zuvor finden die 901 noch ihre endgültige Position: Sie stehen nur etwa 60 Zentimeter von den Seitenwänden entfernt und sind zum Hörplatz hin eingedreht, aber nicht voll auf ihn ausgerichtet. Joachim Kiesler besteht darauf, daß mein Hörsessel mehr als einen halben Meter näher zu den Boxen rückt, denn an dieser Stelle hat er besonders im Baßbereich einen deutlich ausgeglicheneren Frequenzgang gemessen als kurz vor dem Regal mit viel Vinyl und ein wenig Single Malt.

Doch bevor ich Ihnen von den Auswirkungen der Ortsveränderung berichte, sollten wir noch einen Blick auf die RL 901 werfen:
Der „Hauptregielautsprecher für große Audio-, Video- und Filmstudios“ wurde als koaxiales Dreiwegesystem konzipiert, wie die Produktinformation verrät. Aber das ist strenggenommen nur die Zweidrittel-Wahrheit, denn der l25-Millimeter-Mitteltöner sitzt zwar exakt in der Mitte des riesigen Baßchassis, der Hochtöner befindet sich jedoch nicht auf derselben Achse, er wurde einige Zentimeter oberhalb des Zentrums montiert. Dem Ideal der punktförmigen Schallquelle kommt der RL 901 also nur von 25 bis 2800 Hertz nahe. Jedoch dürfte die akustische Wirkung der exzentrischen Montage der 25-Millimeterkalotte nur recht gering sein.

Die meisten Hersteller von Koaxialsystemen sind darum bemüht, den Antrieb von Hoch- und Tieftöner in dieselbe Ebene zu legen, um Laufzeitunterschiede zu minimieren. Durch die Beugung des Hochtonsignals an der Membran des FeÄreihers handelteten sie sich dadurch aber unweigerlich Klangverfärbungen ein, wie Joachim Kiesler ausführt Deshalb montiert er Hoch- und Mitteltöner auf einer eisernen Schallwand und stellt mit einer Entzerrung in der aktiven Frequenzweiche gleiche Gruppenlaufzeiten sicher – was bei passiven Lautsprechern mit einem überschaubaren Materialaufwand nahezu unmöglich ist. Die Verwendung einer Schallwand bietet Musikelektronik Geithain außerdem die Möglichkeit, den gesamten Frequenzbereich mit drei Chassis abzudecken und nicht, wie bei den meisten Koaxiallautsprechern, nur mit zweien. Bei einem Aktivsystem wie dem RL 901 haben die Endstufen die einzelnen Chassis sehr viel besser im Griff, da hier der Dämpfungsfaktor des Verstärkers direkt am Lautsprecher wirksam und nicht wie bei einer passiven Box durch Lautsprecherkabel und Spulen oder Kondensatoren im Signalweg vermindert wird. In der 901 treiben je eine 16 -Watt-MOS-FET-Fndstufe Hoch- und Mitteltöner. Für den Baß stehen liLi Watt bereit. Damit sind denn 112 Dezibel pro Meter Schalldruck möglich. Drei Dezibel vor Vollaussteuerung beginnt die LFD auf der Schallwand zu blinken, und bevor es dann wirklich zuviel wird, vermindert eine Schutzschaltung den Pegel um 20 Dezibel. Eine Zerstörung der Box ist also ausgeschlossen. Ich habe es auch mit extrem baßlastigen Songs und Lautstärken knapp unterhalb der Schmerzgrenze nicht geschafft, die LED zum Blinken zu bringen. Meinem Vorurteil, Monitorlautsprecher eigneten sich bestenfalls zu anämischem, akademischem Musikgenuß, widerspricht der RL 901 mit satten 112 Dezibel – na gut, vielleicht waren es in meinen Hörraum ja nur 108. Der Regielautsprecher kann aber viel mehr, als Riesenmengen Luft bewegen. So stellt er bei Keith Jarrets „God Bless The Child“ auf „Standards, Volume 1“, ECM 1255, überzeugend unter Beweis, daß gepflegte Langeweile sein Ding nicht ist. Jarrett, Jack DeJohnette und Gary Peacock swingen, daß es nur so eine Freude ist. Von der Melancholie dieses Billie-Holiday-Songs bleibt nichts übrig: Snare und High-Hat treiben mächtig, der Baß knarzt und kommt mit einer Menge Druck, und Jarrett spüht nur so vor Spielfruetide – von rhythmischer Zurückhaltung also keine Spur. Wenn das so weitergeht, werde ich wohl alle liebgewonnenen Vorteile gegenüber Abhörlautsprechern über Bord werfen müssen und statt dessen zum ausgesprochenen Monitor-Fan mutieren.

Aber noch ist es nicht soweit. Die Raumdarstellung der 901 bleibt doch hinter dem zurück, was beispielsweise die Darius oder Caldera zu bieten haben. Ein kurzer Ortswechsel beweist jedoch, daß dieses Manko keinesfalls auf Kosten der Regielautsprecher geht. Sobald mein Sessel wieder auf seinem angestammten Platz steht, stellt sich blitzartig die schmerzlich vermißte Raumilltision ein – ob dies nur an der gewohnten Perspektive liegt oder die akustischen Bedingungen am angestammten Hörplatz tatsächlich besser sind, vermag ich nicht zu entscheiden. Sicher ist jedenfalls, daß die Rückkehr zur gewohnten Sitzposition auch Nachteile mit sich bringt: Auf ein wenig Baßfülle muß ich an dieser Stelle verzichten, was mir aber angesichts der deutlich besseren Raumabbildung nicht schwerfällt.

In punkto Räumlichkeit erweist sich der 901 als ausgesprochen ehrlich. Flache Studioproduktionen scheinen geradezu an seinen Membranen zu kleben. Der ein oder andere High-End-Lautsprecher zeigt sich da gnädiger und schönt ein wenig. Bei guten Zwei-Mikrofon-Aufnahmen aber stellt der Regie-lautsprecher selbst große Räume ungemein realistisch dar. Hier leistet er dann deutlich mehr als seine schönfärberischen Kollegen. Können Sie sich noch an meine Begeisterung bei Schostakowitsch „Age Of Gold“ im Test des Burmester 969 erinnern? Oder die Faszination, die Don Cherrys „Mayline“ ausübte, als es mit den Oracle mit ImmediaArm und Benz Ruby abgespielt wurde? Es waren in beiden Fällen Joachim Kieslers Regielautsprecher, die diesen Musikgenuß erst ermöglichten.

Aber Schluß mit Wiederholungen und verklärten Klangbeschreibungen, versuchen wir es lieber einmal mit der Sachlichkeit des Profilagers: Der 901 spielt rhythmisch so mitreißend wie die besten High-End-Boxen. Dank des 40-Zentimeter-Basses kann man das Thema Subwoofer getrost ad actalegen. Die koaxiale Anordnung von Tief- und Mitteltonchassis verhilft dem Regielautsprecher zusammen mit der elektronischen Laufzeitentzerrung zu einer absolut fantastischen Raumdarstellung. Abbildungsgenauigkeit und Detailfülle werden höchsten Ansprüchen gerecht. Die Aufstellung der Boxen gestaltet sich trotz ihrer enormcn Baßtuchtigkeit recht unproblematisch, und auch die Suche nach geeigneten Lautsprecherkabeln und Endstufen entfällt.

Wenn Sie sich eher zu den Musikliebhabern denn zu den experimentierfreudigen HiFi-Fans zählen und sowohl Ihr Raum als auch Ihre sonstige Kette die Ehrlichkeit der 901 ertragen, sollten Sie sich fragen, ob Sie reif sind für diesen Regielautsprecher. Denn Musikelektronik Geithain offeriert Ihnen nicht das kleinste bißchen Voodoo, und auch auf nebulöse Philosophien müssen Sie beim 901 verzichten. Noch nicht einmal die Physik haben die Sachsen neu erfunden. Darüber hinaus ist der Lautsprecher als Spielzeug denkbar ungeeignet. Er bietet einfach nur unverschämt viel Klang fürs Geld und überzeugt mit einer grundsoliden Verarbeitung. Jahrelanger ungetrübter Musikgenuß dürfte mit dem Erwerb der Geithain RL 901 garantiert sein.

P.S.: Ich werde mich nach den Erfahrungen mit der 901 in nächster Zeit wohl noch etwas mit meinem Hörraum beschäftigen – ein bißchen mehr Dämpfung im Hochtonbereich könnte nicht schaden -und ansonsten bedauern, daß sich Aktivlautsprecher für meine Arbeit leider so gar nicht eignen.
Denn auf Dauer kann ich die Tests von Vollverstärkern, Endstufen und Lautsprecherkabeln bestimmt nicht auf die Kollegen abwälzen – wirklich schade!
– Technische Daten der R901K (PDF) – Download –
– NEU RL 901K im Sonderdruck aus der Produktion Partner 5/2002 (PDF) – Download –
– Der Maßstab – ein Auszug aus einem Sonderdruck der VIDEO 11/04 (PDF) – Download –

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